Transpersonale Psychologie und Psychotherapie

Das Ziel der herkömmlichen Psychotherapie ist die Entwicklung einer reifen Persönlichkeit und die Ausbildung von genügend Ich-Stärke zur Bewältigung der Anforderungen des Lebens. Dazu gehören Umgehen können mit den eigenen Bedürfnissen, Übernahme von Verantwortung für seine Handlungen und Entscheidungen, die Fähigkeit sich einlassen und abgrenzen zu können und ein angemessenes Reagieren auf andere Menschen und die Umwelt, um nur einige Aspekte zu nennen. Die Überwindung neurotischer und selbstschädigender Muster, die Integration von Schattenaspekten (verdrängte und ungeliebte Anteile der Persönlichkeit) und der Aufbau brüchiger Ich- und Selbststrukturen gehören ebenfalls zu den Aufgaben einer „personalen“ Psychotherapie, egal welcher Schule oder Methode sie sich zurechnet. Sie beschäftigt sich mit dem biographischen Leben, von der Geburt bis zum Tod.

Die Transpersonale Psychologie und Psychotherapie geht einen Schritt weiter: Sie strebt die Entwicklung einer reifen, authentischen und lebendigen Persönlichkeit - wie man z.B. in der Gestalttherapie sagen würde - ebenfalls an, geht aber davon aus, dass an diesem Punkt die seelische und geistige Entwicklung des Menschen noch nicht zu Ende ist. Sie sagt: Der Mensch strebt in seiner Entwicklung über sich selbst und seine Begrenztheit hinaus, hin zur Erfahrung und dem Bewusst-Sein, dass wir in ein größeres Ganzes eingebettet sind. Dadurch tritt die Vorstellung eines isolierten und abgegrenzten Daseins in den Hintergrund und weicht der Erfahrung der Verbundenheit mit allem was existiert.

Die transpersonale Psychotherapie stellt sich auch den Fragen, die mit dem Sinn und der tieferen Bedeutung unserer Existenz zu tun haben: Wann beginnt das Leben? Woher kommen wir und woher gehen wir? Wie verhält es sich mit schicksalshaften Erfahrungen wie schwere Krisen, Krankheiten, Kriege und Katastrophen und wie können diese in einem individuellen und kollektiven Kontext sinnhaft erfasst werden? Wer sind wir eigentlich und was ist unsere innerste Natur?

Zu den transpersonalen Therapieansätzen zählt man heute u.a. die Analytische Psychologie C.G. Jungs, die Psychosynthese nach Assagioli, das Holotrope Atmen nach Stanislav Grof und die Initiatische Therapie (nach Graf Dürckheim und Maria Hippius Gräfin Dürckheim). Darüber hinaus finden wir auch in humanistischen Verfahren "transpersonale Aspekte" (z.B. in der Gestalttherapie: "awareness und Hier & Jetzt aus dem ZEN-Buddhismus", "schöpferische Indifferenz nach Friedlaender" und "dialogisches Prinzip nach Buber").

Das Holotrope Atmen als Verfahren im Rahmen der Transpersonalen Psychotherapie ist in Österreich nicht als psychotherapeutische Methode anerkannt.