Selbst (aus transpersonaler Sicht)

Literatur:

  • Jung C.G.: Die Beziehungen zwischen dem Ich und dem Unbewußten. Olten 1971.
  • Muktananda: Der Weg und sein Ziel. München 1987.
  • Neumann, Erich: Ursprungsgeschichte des Bewußtseins. München 1974.

In der Transpersonalen Psychologie transzendiert das transpersonale Selbst die Grenzen der Persönlichkeit. Bildlich gesprochen ist im innersten Kern unserer Persönlichkeit eine Öffnung, durch die das transpersonale Selbst hindurchscheint: Es trägt nach Leibniz den "Funken des Kosmos" in sich und kann nach C.G. Jung auch als "Gott in uns" bezeichnet werden (Jung, 1971, S. 134f). Im Christentum heißt es: "Das Reich Gottes ist in Dir", im Buddhismus: "Schau nach innen, Du bist der Buddha", im Siddha-Yoga: "Gott wohnt in Dir als Du", im Hinduismus: "Atman (das individuelle Bewußtsein) und Brahman (das universelle Bewußtsein) sind eins", im Islam "Wer sich selbst kennt, kennt seinen Herrn".

Dem transpersonalen Selbst nähert man sich, wenn man sich nach innen wendet und allmählich die Identifizierung mit dem, was wir sind und was wir haben, loszulassen bereit sind. Für Erich Neumann (1974) ist das transpersonale Selbst das "dirigierende Zentrum", von dem alle Prozesse angestoßen, geleitet, kontrolliert und ausbalanciert werden, und "das Selbst ist sowohl für das Psychische wie das Physische transzendent." Weise Menschen sagen, daß es immer bei uns ist, weder geboren, noch sterben wird, unzerstörbar und unverwundbar ist, und von den Zeitläuften unbeeindruckt bleibt: Für Muktananda (vgl.1971) ist es kleiner als das Kleinste und größer als das Größte und wohnt für immer im Herzen aller Wesen. Das Selbst ist ein unlokalisierbarer Seinsgrund, aus dem der individuelle Mensch hervorbricht und gleichzeitig geht es grenzenlos und formlos in das Sein des Seienden ein. Es ist ein Hologramm, in das der Kosmos eingefaltet ist. Alles ist im Selbst enthalten und daher erwerben wir vollkommenes Wissen über alle Dinge, wenn wir das Selbst kennen. Das personale Selbst ist im transpersonalen aufgehoben (in einem doppelten Sinn: beherbergt und überschritten). Das transpersonale Selbst dient als Brücke zwischen dem existentiellen Selbstbewußtsein und dem transpersonalen Einheitsbewußtsein. Über diese Brücke kommuniziert das letzte Geheimnis mit uns.

Autor: Sylvester Walch