Prozeßarbeit

Literatur:

  • Castaneda C (1981) Reise nach Ixtlan. Fischer, Frankfurt
  • Eliade M (1985) Yoga, Unsterblichkeit und Freiheit. Suhrkamp, Frankfurt
  • Mindell A (1993) Traumkörperarbeit oder: Der Lauf des Flusses. Junfermann, Paderborn
  • Mindell A (1994) Traumkörper in Beziehungen, Prozeßorientierte Psychologie in Praxis und Theorie. Sphinx, Basel
  • Mindell A. (1996) Den Pfad des Herzens gehen. Via Nova, Petersberg

Prozeßarbeit (Prozeßorientierte Psychologie, Prozeßorientierte Therapie). Die Prozeßarbeit (therapeutische Arbeit nach Gesichtspunkten der Prozeßorientierten Psychologie) wurde auf Grundlage von C.G. Jungs Werk unter Einbeziehung von altem taoistischen, schamanischen (Castaneda, Eliade), alchimistischen Wissen und neuesten quantenphysikalischen und chaostheoretischen Erkenntnissen über grundlegende Weltzusammenhänge in erster Linie von Arnold Mindell in der Schweiz und in den USA entwickelt. Sie bezieht Aspekte der Transpersonalen Psychologie mit ein. Lebensprozesse haben an sich die Tendenz, sich auszudrücken und zu verwirklichen, im körperlich - organischen Bereich und im Spüren, Fühlen, Denken, Wollen und Handeln. Auch im Bereich des Träumens macht sich der Prozeß - oft schon in seiner Entstehung - bemerkbar. Hindert man diese Energien daran, in ihrem direkten Weggelebt zu werden, drücken sie sich auf Nebenwegen aus ("Sekundärprozeß"). Dieser kann parallel zum "primären Ausdruck" - etwa der unmittelbaren Tätigkeit oder verbalen Äußerung - z.B. als inkongruente Körpersprache sichtbar und erfahrbar werden (Mindell, 1994). Hier träumt der Körper sozusagen einen "Körpertraum" in unbewußten Bewegungen oder Haltungen bis hin zu Krankheitssymptomen (Psychosomatik) und schließlich bei konsequenter Mißachtung sogar zu vorzeitigem Tod. Es gilt diese Ausdrucksweise zu entschlüsseln und bewußt zu machen und dann in den primären = unmittelbaren Lebensprozeß zu integrieren (Traumkörperarbeit: Mindell, 1993). Der Prozeßarbeiter weiß nicht von vornherein, wohin der Prozeß führt. Er versucht vielmehr mit Feingespür, genauer Beobachtung der Wahrnehmungs- und Ausdruckskanäle und Methodenvielfalt die spezielle Erscheinungsform des individuellen Prozesses gemeinsam mit dem Klienten zu erfahren und zu übersetzen. Das Symptom wird hierbei nicht als zu therapierendes Übel betrachtet, sondern als verbündeter Begleiter am Weg zur Heilung, bis es schließlich durch den direkten Ausdruck des ursprünglich Beabsichtigten überflüssig wird - ähnlich dem Schamanen, der zuerst mit dem Verbündeten ringen muß, um seine Macht letztlich nützen zu können (Castaneda, 1981). Mindell und seine MitarbeiterInnen arbeiten auch speziell in Krisengebieten mit Angehörigen verfeindeter Bevölkerungsgruppen - "Weltarbeit", "Friedensarbeit" (Mindell, 1996).

Autor: Michael Hofreiter