Philosophia perennis

Literatur:

  • Huxley, A: Die ewige Philosophie, Serie Piper 1987
  • Zundel/Loomans, Hrsg.: Psychologie und religiöse Erfahrung, Herder 1994

Lat., 'ewige Philosophie'; taucht zuerst 1540 bei A. Steuchus, später bei Leibniz, A. Huxley, K. Wilber u.a. auf. Die Sache, die dieser Begriff bezeichnet, ist sehr viel älter und universal. Es geht um den gemeinsamen Kern der spirituellen Erfahrung der Menschheit, wie sie die Heiligen und Weisen aller Hochreligionen der Welt überraschend ähnlich berichten, so unterschiedlich ihre Dogmen und Institutionen auch sein mögen. Schriftlich wurde die ewige Philosophie erstmals vor ungefähr 2500 Jahren in Indien niedergelegt. Sie beschreibt eine andere, 'eigentlichere' Wirklichkeit als die unseres Alltags, eine Wirklichkeit, die Grund, Ursprung und Ziel alles Seienden ist. Hindus nennen sie Brahman, Taoisten Tao, Christen Gott.

Im Rahmen der ewigen Philosophie gibt es viele Wege, um dieser Wirklichkeit nahe zu kommen: Wege der Stille (Meditation), der Ekstase (z.B. Derwischtänze), Wege über Atemkontrolle oder über feinstoffliche Energien, Wege des Wissens, Handelns und vor allem auch der liebenden Hingabe; Wege über Schmerz und Todesnähe (Schamanismus) und natürlich auch der Weg über christliche Kontemplation und Gebet.

Das höchste Ziel dieser Wege ist die All-Einheit, die 'unio mystica' in der jüdisch-christlichen und der islamischen Tradition oder das Einswerden mit dem Urgrund des Seins, der Leere, der alle Form entspringt, dem nicht mehr Benennbaren in den nontheistischen Glaubenssystemen.

Autor: Edith Zundel