Grof Stanislav

Wesentliche Publikationen:

  • (1978) Topographie des Unbewußten. Stuttgart, Klett-Cotta
  • (1983) LSD-Psychotherapie. Stuttgart, Klett-Cotta
  • (1985) Geburt, Tod und Transzendenz. München, Kösel
  • (1987) Das Abenteuer der Selbstentdeckung. München, Kösel
  • (1987) Human survival and consciousness evolution. New York, State University of New York Press
  • (1989) Auf der Schwelle zum Leben. München, Heyne
  • (1989) Psychedelische Therapie und Holonomische Integration. In: Zundel E, Fittkau B (Hg.), Spirituelle Wege und Transpersonale Psychotherapie (S 399-423). Paderborn, Junfermann
  • (1994) Das Heilungspotential außergewöhnlicher Bewußtseinszustände. In: Zundel E, Loomans P (Hg.), Psychotherapie und religiöse Erfahrung (S 159-204). Freiburg, Herder
  • (1994) Totenbücher: Bilder vom Leben und Sterben. München, Kösel
  • (1997) Kosmos und Psyche: An den Grenzen menschlichen Bewußtseins. Frankfurt/M., Krüger
  • (2000) Psychology of the future. Albany, State University of New York Press
  • Grof S, Bennett HZ (1993) Die Welt der Psyche. München, Kösel
  • Grof S, Grof C (1984) Jenseits des Todes: An den Toren des Bewußtseins. München, Kösel
  • Grof S, Grof C (1990) Spirituelle Krisen: Chancen der Selbstfindung. München, Kösel
  • Grof S, Grof C (1991) Die stürmische Suche nach dem Selbst. München, Kösel
  • Grof S, Halifax J (1980) Die Begegnung mit dem Tod. Stuttgart, Klett-Cotta

Literatur zur Person:

  • Capra F (1987) Das neue Denken. München, Scherz [insbes. Kap. 4]

Grof, Stanislav * ??? 1931 in Prag; Psychiater und Psychoanalytiker; Begründer der Holotropen Atemarbeit; Mitbegründer der Transpersonalen Psychologie und Gründungspräsident der ITA (International Transpersonal Association); Erforschung von außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen.

Stationen seines Lebens: Gegen Ende der Schulzeit starke Prägung durch Sigmund Freuds "Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse". Er studierte anschließend 6 Jahre lang Medizin an der Karls-Universität in Prag (Dr. med.; Dr. phil. der Medizin von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften). Er spezialisierte sich auf die Psychiatrie und absolvierte eine Ausbildung zum Psychoanalytiker. Zunehmend erlebte er jedoch ein tiefes Dilemma und Schisma in seinem Denken: auf der einen Seite ein Begriffssystem, das über alle theoretischen Antworten zu verfügen schien, auf der anderen wenig beeindruckende Ergebnisse in der Anwendung auf reale klinische Probleme. In dieser Zeit erhielt das Psychiatrische Forschungsinstitut in Prag eine kostenlose Warensendung aus dem Labor der Sandoz-Pharmawerke in Basel. Es enthielt LSD-25, eine neue experimentelle Substanz mit bemerkenswerten psychoaktiven Eigenschaften, die der leitende Chemiker bei Sandoz, Albert Hoffmann, zufällig entdeckt hatte. Grof wurde zum Forschungsleiter eines Projekts, das systematisch das heuristische und therapeutische Potential von LSD und anderen psychoaktiven Substanzen untersuchte. In der Arbeit mit psychiatrischen Patienten wurden unter dem Einfluss von LSD nicht nur oft beachtliche Heilerfolge erzielt, sondern diese erzählten immer wieder von Erfahrungen, die die herkömmliche Auffassung unserer Psyche als zu eingegrenzt erschienen ließ. So war es unvermeidbar, dass Grof aufgrund seiner Forschungsarbeit mit außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen die traditionelle Auffassung der Psyche radikal um zwei große Bereiche erweitern musste: Jenseits der analytisch-biografischen Ebene (von der Geburt bis ins Erwachsenenalter) erleben Menschen in außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen auch den Zugang zum Geburtsbereich (Erfahrungen im Mutterleib und während der Geburt = perinatale Ebene) und zur sogenannten transpersonalen Ebene. Grof war vorerst darüber irritiert, bis er darauf stieß, dass Schamanen und Mystiker aller Traditionen die Inhalte dieser transpersonalen Ebene schon lange benannt und überliefert haben. Die Erlebensinhalte dieser transpersonalen Ebene decken sich auch mit dem Begriff des "Kollektiven Unbewussten" von C.G. Jung. 1967 erhielt Grof ein zweijähriges Stipendium als Forscher und Psychiater an der John-Hopkins-Universität in Baltimore. Danach blieb er in den USA, zuerst als Leiter der Psychiatrischen Forschungsabteilung im Maryland Psychiatric Research Center in Baltimore, dann als Assistenzprofessor für Psychiatrie an der Henry Philips Klinik der John Hopkins University. 1973 wurde Grof vom Esalen Institut in Big Sur, Kalifornien, eingeladen, wo er bis 1987 als Scholar-in-Residence Seminare leitete, Vorträge hielt, Bücher schrieb und zusammen mit seiner Frau Christina das Holotrope Atmen entwickelte. Er gründete anschließend das "Grof Transpersonal Training" und hält weltweit Aus- und Weiterbildungsseminare in Holotropem Atmen und Transpersonaler Psychologie. Außerdem ist er Professor am "California Institute for Integral Studies" in San Francisco. Gegenwärtig lebt er in Millvalley, Kalifornien.

Wichtige theoretische Beiträge und Orientierungen: Die traditionelle Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie benutzt ein Modell der menschlichen Persönlichkeit, das sich auf die Lebensgeschichte und auf das von Freud beschriebene persönliche Unbewusste zentriert. Die Erforschung von außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen seit über 40 Jahren hat eine Kartografie der Psyche möglich gemacht, die Bereiche jenseits des Biografischen einschließt. Grof benennt diese als perinatale Ebene, Erfahrungen von Geburt und Tod als spirituelle Wiedergeburt, und transpersonale Ebene ("kollektives Unbewusstes" nach C.G. Jung). Diese Ebenen sind alle Bestandteil der "Transpersonalen Psychologie", die von Stan Grof, Abraham Maslow, Anthony Sutich, Francis Vaughan, Roger Walsh und anderen begründet wurde. Die von Grof entwickelte Methode des "Holotropen Atmens" zielt darauf ab, all diese Ebenen zu erschließen. Holotrop heißt, sich auf die Ganzheit hinzubewegen. Beim Holotropen Atmen wird durch beschleunigtes Atmen und evokative Musik ein außergewöhnlicher Bewusstseinszustand erreicht, der tiefe Heilungsprozesse in Gang setzt. Die Bewusstseinsforschung Grofs, der eng mit Wissenschaftlern anderer Disziplinen (Quantenphysik, Biologie, Thanatologie, Anthropologie, Holografie, Psychologie, Mythologie) zusammenarbeitet, richtet sich gegen die Begrenzungen des Newton’schen Weltbildes. Der gemeinsame Nenner dieser neuen Theorien ist folgender: Sie sehen das Bewusstsein und die kreative Intelligenz nicht als Derivate von Materie - d. h., von neurophysiologischen Aktivitäten im Gehirn - sondern als wichtige primäre Attribute allen Seins. In diesem Zusammenhang ist Spiritualität eine wichtige Dimension unserer Intelligenz, denn nach Grofs Forschungsarbeiten wird der Mensch als Bewusstseinsfeld ohne Grenzen in Raum und Zeit verstanden. Nimmt der spirituelle Prozess manchmal ungewöhnliche, verwirrende oder dramatische Formen an, so sind diese als Krisen der Transformation zu verstehen, für die Stan und Christina Grof den Begriff "Spirituelle Krisen" (Grof & Grof, 1990) geprägt haben.

Autor: Barbara Tesch