Erleuchtung

Literatur:

  • Eliade M (1977) Yoga, Unsterblichkeit und Freiheit, Insel, Frankfurt am Main, S 86-104
  • Vaughan F (1990) Die Reise zur Ganzheit, Psychotherapie und spirituelle Suche, Kösel, München, S.131-144
  • Grof S (1994) Das Heilungspotential außergewöhnlicher Bewußtseinszustände, Beobachtungen aus der psychedelischen und holotropen Therapie. In: Zundel E und Loomans P (Hrsg) Psychotherapie und religiöse Erfahrung, Konzepte und Methoden transpersonaler Psychotherapie, Herder, Freiburg, S.159-204

Bei der Erforschung außergewöhnlicher Bewußtseinszustände widmet sich die Transpersonale Psychologie dem in vielen spirituellen Traditionen beschriebenen Phänomen der "Erleuchtung". Licht gilt in der frühgriechischen und hebräischen Anschauung als Symbol für Leben und Heil. In der christlichen Tradition bedeutet Erleuchtung das Erhelltwerden durch das Licht, welches Symbol für Leben und Heil ist. Der Erkennende wird dieser Erleuchtung meist plötzlich, unvermutet und unmittelbar gewahr. In der Literatur über fernöstliche Meditationsformen wird Erleuchtung im Sinn des Durchbruchserlebnisses verwendet. Erleuchtung ist dabei die Übersetzung des Sanskrit-Terminus "Bodhi" (wörtl. Erwachen), japanisch als Satori oder Kensho übersetzt. Dabei wird der Mensch der Leere jenseits von Sein und Nichtsein inne, die es ihm ermöglicht, das wahre Wesen aller Dinge zu begreifen. Der indische Yoga (Patanjali und seine Kommentatoren) beschreiben mehrere Stufen von "samadhi" (Vereinigung, Totalität, Stase, Verbindung). Samadhi ist jener Zustand, in dem das Objekt sich in seinem Wesentlichen enthüllt und als ob es "leer von sich selbst wäre" (Eliade 1977).

Da Worte zum mentalen Reich der Logik und des Diskurses gehören, können sie auf Transzendenz nur hinweisen. Deshalb ist es leichter Aussagen zu finden, was Erleuchtung nicht ist, als was sie ist. Häufig vermitteln Bilder, Gleichnisse und Paradoxien die Qualität der Erfahrung. Der Legende nach hielt Buddha auf die Frage nach der Natur der Wahrheit eine Blume hoch. Bildhaft wird im Zen der Weg zur Erleuchtung oft mit den 10 Ochsenbildern dargestellt. Auf der letzten Stufe nimmt der Vielerfahrene sein ganz normales Leben wieder auf, aber er ist erwacht und sich der inneren transpersonalen Natur aller Geschöpfe bewußt (Vaughan, 1985). Für die Transpersonale Psychologie markiert Erleuchtung einen Höhepunkt menschlichen Bewußtseins. Sie begreift die spirituelle Suche und damit die Suche nach Erleuchtung als eine natürliche und legitime Dimension der menschlichen Psyche (Grof, 1994)

Autor: Hermann Wegscheider