Ego (aus transpersonaler Sicht)

Literatur:

  • Gurumayi, Chidvilasananda: Asche zu meines Gurus Füßen. Syda Foundation. South Fallsburg 1990

Starres, abgegrenztes Subjekt-Ich, die Illusion (maya), nach der es eine absolute Trennung zwischen Ich und Nicht-Ich gibt.

Durch Anerkennungssucht aufgeblähtes Ich, das sich um sich selbst dreht. Es zeigt sich in Spannungen und Verkrampfungen, in Neid, Verbissenheit, Gier, Eifersucht, Druck, Härte, Abwertung, Unversöhnlichkeit, Allmachtsphantasien, Anerkennungssucht und Machtansprüchen. Dem Ego zuzuschreiben ist weiters ein Festhalten an starren Bildern, ein Leben im Wartesaal der Zukunft und Vergangenheit, sich mehr mit Erwartungen und Befürchtungen auseinanderzusetzen, als mit dem Hier und Jetzt und ein chronisches Selbsterleben als "Gesehener". Vor allem aber zeigt sich das Ego in tiefen Mißtrauen gegen alles, was einfach passiert und baut somit eine Barriere gegen das transpersonale Selbst auf.

Spirituelle Wege setzen sich die Transformation des Ego zum Ziel, denn nur dann ist die Einheitserfahrung, die Vereinigung mit Gott möglich. Das transformierte Ego erkennt das transpersonale Selbst und dient ihm. Es zeigt sich in der Fähigkeit zu freifließender Liebe. Das transformierte Ego heftet sich nicht an die Affekte, sondern begleitet sie, es ist ein Sinnesorgan des Selbst. Es existiert in uns als Zeuge ohne Anhaftung und unterstützt uns in den täglichen Pflichten. Es zeichnet sich durch Vertrauen aus, kann flexibel reagieren und ist fähig, selbst produzierte Konzepte wieder loszulassen, wodurch der Boden für umfassende Befreiung bereitet wird.

Ego-Tod: Die mystischen Schriften berichten uns auch von Beispielen, in der diese innere Transformation kulminiert, den Egotod. Es steht in einem Augenblick alles auf dem Prüfstand, was ich bin und was ich habe. Dies kann zu einem Auflösen vertrauter Beziehungen, zum Verlust von materiellen Gütern, zu Depersonalisationserscheinungen und auch zu spontanen außergewöhnlichen Bewußtseinszustände führen. Eine Siddha-Yoga Meisterin schreibt in ihrer Autobiographie (Gurumayi, 1990, S.44f): "Das Haus meines Ichs ging in Flammen auf. Alles, was ich besaß wurde verbrannt. Ich wollte mein Haus retten. Aber ich konnte nicht entkommen. Auch die Tür meines Hauses stand in Flammen. Ich weiß nicht mehr, was dann geschah......Und alles verstummte in der endlosen Stille der Liebe."

Autor: Sylvester Walch