Buchrezensionen

Dimensionen der menschlichen Seele


Rezension in: Zeitschrift für Transpersonale Psychologie und Psychotherapie. Heft 2, 2002. Via Nova.

 

"Dieses Buch ist für Menschen geschrieben, denen Heilung der Seele und Verwirklichung der inneren Potentiale ein Anliegen ist", schreibt der Autor in der Einleitung seines Buches. Es nimmt den Leser mit in die verschiedenen Dimensionen der Seele und ist für Laien wie Fachleute gleichermaßen wertvoll und aufschlussreich. Sehr berührend und ehrlich erfährt man zu Beginn über den eigenen Weg des Autors mit all den Krisen und Umbrüchen, die vorkommen können, wenn sich jemand auf die Reise zu sich selbst begibt. Dies macht einen sofort für das Buch eingenommen.

Die traditionelle Psychologie und Psychotherapie (Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, humanistische Richtungen) ist nach wie vor den Erfahrungen in veränderten Bewusstseinszuständen, spirituellen Erfahrungen und auch der Technik der Hyperventilation (wie sie im holotropen Atmen angewandt wird) sehr skeptisch bis ablehnend gegenüber eingestellt. Gewachsene psychologische und psychotherapeutische Konzepte werden durch die transpersonale Psychologie jedoch nicht verworfen, sondern erfahren eine wichtige Ergänzung und werden so dem Menschsein in seiner Ganzheit ("holotrop ..... sich dem Ganzen annähernd") gerecht. Die jahrelange Tätigkeit des Autors als Lehrtherapeut für Integrative Therapie, Gestalttherapie und Transpersonale Psychotherapie (Holotropes Atmen) in Österreich und der BRD, seine klinische Erfahrung, sowie die tiefe Kenntnis spiritueller und transpersonaler Konzepte bilden zweifellos die Grundlage für ein sehr umfassendes und ganzheitliches psychologisches Konzept und das Buch kann mit Recht als ein Grundlagenwerk der transpersonalen Psychologie gesehen werden. In Österreich wurden die Transpersonale Psychotherapie und das Holotrope Atmen vom Autor gemeinsam mit dem Arbeitskreis für Transpersonale Psychologie und Psychotherapie (ÖATP) zu einem anerkannten Weiterbildungscurriculum für Psychotherapeuten ausgearbeitet.

Der Leser wird bereits nach wenigen Seiten sehr anschaulich in die von Stanislav Grof entwickelte und vom Autor weiter ausgeführte Konzeption des holotropen Atmens eingeführt und bekommt auf diese Weise eine Vorstellung davon, wie eine Atemsitzung bzw. ein Atemseminar ablaufen können, auch wenn er noch keine Vorkenntnisse besitzt. "Das holotrope Atmen eröffnet einen transpersonalen Erfahrungsweg, der tiefgreifende Lösungen von psychischen Problemen ermöglicht, die Persönlichkeitsentwicklung vorantreibt und spirituelle Befreiung bewirken kann", so der Autor. Auf Themen wie die Vorbereitung auf ein Seminar, die Paarbildung, das beschleunigte Atmen, die prozessuale Körperarbeit, das System der Chakren, das intuitive Malen, die evokative Musik und die Aufarbeitung der in den Sitzungen gemachten Erfahrungen wird theoretisch und praxisorientiert eingegangen. Professionelle Therapeuten wie auch Laien finden hier einen sehr wertvollen Leitfaden für die Durchführung dieser Methode.

Im zweiten Teil des Buches werden die Ideengeschichte und die Grundkonzepte der transpersonalen Psychologie dargestellt. Dabei ist die Frage nach der Natur des Bewusstseins, dem ein sehr umfangreiches Kapitel gewidmet ist, von maßgeblicher Bedeutung. "Je tiefer man das Phänomen Bewusstsein zu begreifen versucht, desto komplexer und geheimnisvoller wird es", meint der Autor und geht dabei auf die Begriffe des Bewussten, Unbewussten und Überbewussten ein, auf kollektive, archaische und universelle Bewusstseins-Strukturen, auf verschiedene Formen veränderten und erweiterten Bewusstseins und auf deren kulturelle Hintergründe. Interessant ist, dass der Autor auch parapsychologischen Phänomenen und außersinnlichen Wahrnehmungen ein längeres Kapitel widmet, da sie seiner Meinung nach von der transpersonalen Psychologie bisher noch zu wenig beachtet wurden. Weiters wird auf die Begriffe Ich, Ego und Selbst eingegangen, die in der Fachliteratur oft in ganz unterschiedlicher Weise definiert werden. In einfacher und klarer Form setzt sie der Autor zueinander in Beziehung und konzeptualisiert sie im Hinblick auf ein transpersonales Verständnis neu. Die Beschreibung des "transpersonalen Selbst" und der "inneren Weisheit" schlägt eine Brücke zum Gottesverständnis der spirituellen Traditionen.

In einem weiteren Kapitel thematisiert der Autor Fragen, die auftauchen können, wenn wir uns aufmachen, einen spirituellen Weg zu gehen: Was ist Spiritualität und welche spirituellen Wege gibt es?, wie kann sich das Verhältnis Meister-Schüler gestalten?, wie kann eine spirituelle Praxis aussehen?, welche Krisen können dabei durchlaufen werden (spirituelle Krisen)? und in welche Bewusstseinsebenen taucht man auf diesem Weg ein? Dabei wird betont, dass sich die Erfahrungen im Alltag bewähren müssen, "denn sonst sind sie wertlos".

Im dritten Teil des Buches kommen die Erfahrenden selbst zu Wort. Die Erfahrungsberichte sprechen für sich selbst, berühren den Leser und regen zum Nachdenken an. So taucht man zum Schluss noch einmal in die Welt der Dämonen, der Heiligen, der Schatten und der Liebe ein und kann auf diese Weise die umfangreichen psychologischen Konzepte auf einer tieferen Ebene nachvollziehen.

Dr. Hans Peter Weidinger, Wien


Rezension in: Connection. Heft 5, 2002. Connection Medien.

 

Lass die Seele atmen!

Östliche spirituelle Systeme streben zwar nach erleuchtung, haben aber oft kein Instrumentaarium zur Aufarbeitung verdrängter, belastender Bewusstseinsinhalte entwickeln. Die westliche Psychotherapie dagegen pathologisiert in der Regel spirituelle und transpersonelle Erfahrungen, fördert lediglich das "Funktionieren" im Sinne der herrschenden Gesellschaftsordnung und trägt damit wenig zu echter Bewusstseinserweiterung bei. Aus dieser Erkenntnis heraus hat sich die Transpersonale Psychotherapie entwickelt - in der Absicht, überpersönliche, religiöse und mystische Erfahrungen zum Forschungsgegenstand zu machen und damit Heilung auf allen Ebenen des menschlichen Wesens (unter Einbeziehung des "Überbewusstseins") zu ermöglichen.

Stanislav Grof, der Schöpfer des "Holotropen Atmens", ist einer der Pioniere des Transpersonalen in der Therapie. Er führte Patienten durch eine spezielle Atemtechnik in veränderte Bewusstseinszustände und ermöglichte auf diese Weise den Zugang zu verdrängten Bewusstseinsinhalten und vorgeburtlichen Zuständen. So soll u.a. die Befreiung von Lebensblockaden erreicht werden. Der Stanislav-Grof Schüler Sylvester Walch hat mit dem vorliegenden Werk eine gewichtige Neudefinition des Holotropen Atmens vorgelegt, die zugleich eine "Landkarte" und Theorie transpersonaler Bewusstseinszustände sein will. Einer detaillierten Schilderung der Atemsitzungen und ihrer Wirkungsweise folgen Ausführungen über das spirituelle Erfahrungsspektrum, das Über- und Unterbewusstsein, den Weg des Schamanismus, das Meister-Schüler-Verhältnis, die Bewältigung spiritueller Krisen und vieles mehr.

Kein populärpsychologisches Werk für Leser, die nur "schnuppern" wollen, aber eine engagierte und fundierte Einführung, die von interessierten Laien und für Spiritualitätaufgeschlossenen Fachkräften mit großem gewinn durchgearbeitet werden kann. Selbst für diejenigen, die die vorgestellte Atemtechnik nie am "eigenen Leib" erfahren werden, ein lesenswertes Buch.

Roland Rottenfußer


Rezension in: Feedback. Heft 4, 2002. ÖAGG Verlag.

 

Veränderte Bewusstseinszustände unterscheidet der Autor in freiwillig veränderte, spontan Auftretende und Krankhafte. Die durch Krankheit induzierten Bewusstseinszustände werden nur andeutungsweise behandelt, das Augenmerk in den Ausführungen liegt auf den freiwillig veränderten und den spontan auftretenden veränderten Bewusstseinszuständen.

In der Beschreibung der spirituellen Wege gelingt es dem Autor, verschiedene Weisheitslehren zu verbinden, ebenso gibt er eine Einführung in eine spirituelle Praxis. Für die Unterscheidung spiritueller Krisen und anderem psychologischem Krisengeschehen finden sich in den Ausführungen wesentliche diagnostische Anhaltspunkte. Im weiteren werden verschiedene Tiefungsebenen des Bewusstseins beschrieben.

Im dritten Teil, dem Erfahrungsspektrum im holotropen Atmen, verweist Sylvester Walch auf die erkenntnistheoretische Grundposition: die phänomenologisch-hermeneutische Einstellung und auf ein heuristisches Ordnungssystem. Persönliche Berichte, nach einem Grobschema (personal-psychodynamisch, präpersonal, transpersonale und spirituelle Erfahrungen) eingeteilt und theoretisch erläutert, schließen die Ausführungen im Buch mit einem allgemeinen Ordnungsschema der Erfahrungen ab.

Als Leserin bin ich sowohl von der praxeologischen Beschreibung des holotropen Atmens als auch von der grundsätzlichen Auseinandersetzung mit dem Thema des Bewusstseins, der unterschiedlichen Bewusstseinszustände beeindruckt. Verschiedene Weisheitslehren und naturwissenschaftliche Aspekte verweisen auf die Verbindung von Geistes- und Naturwissenschaft. Das Buch von Sylvester Walch "Dimensionen der menschlichen Seele" bietet dem personal und transpersonal orientierten Psychotherapeuten konkrete Hilfestellungen in der praktisch psychotherapeutischen Tätigkeit. Es vermittelt Hintergrundwissen und regt zur eigenen Reflexion an. Es ist ein psychologisches, transpersonal-psychologisches, psychotherapeutisches Fachbuch und spiritueller Führer zugleich.

Dr. Melitta Schwarzmann


Rezension in: Visonen. 6. Jg., Heft 6, November - Januar 2003/2004

 

Die Entdeckung der Spiritualität als Gesprächspartner macht dieses Buch zu etwas Besonderem

Denn die selbstzerstörerischen Tendenzen des Homo sapiens gegenüber der Lebenswelt haben bekanntermaßen bedrohliche Ausmaße angenommen. Auch auf die, die sich dem Aufsehenerregenden der Transpersonalen Psychologie kritisch nähern wollen, ob aus der Sicht des wissenschaftlichen Forschers oder aus dem Bedürfnis des nach Selbstfindung Suchenden, wartet eine äußerst fesselnde Lektüre von informativer Dichte. Sie ermöglicht Standortbestimmungen und beweist, dass es noch viel zu entdecken gibt auf der Reise in unser Bewusstsein.

Die letztgenannte Einschätzung trifft sicherlich auch auf "Dimensionen der menschlichen Seele" von Sylvester Walch zu, der aus dem Ansatz der von Stan Graf entwickelten Techniken der Atemtherapie heraus die brachliegenden inneren Potenziale der Verwirklichung und Heilung freisetzen will, um die Persönlichkeitsentwicklung in die transpersonale und spirituelle Dimension hineinzuführen. Ein sehr ausführliches, mit vielen Fallbeispielen durchsetztes Buch, das stark die persönliche Lebensgeschichte und Erfahrungswelt des Autors einbezieht. Es kommt somit nicht nüchtern abgehoben daher, sondern geht mit innerer Anteilnahme und Leidenschaft auf die Seelenfindung ein. Dank seinen vielseitigen Kenntnissen als erfahrener Lehrtherapeut und dem Wissenspotential transpersonaler Psychologie gelingt dem Autor fraglos ein Grundlagenwerk mit Handbuchcharakter. Praxisorientiert und leitfadenartig begleitet es den Leser durch die verschiedenen Techniken und vermeidet so die langweilige Atmosphäre von nur psychologischtheoretischen Vorkommnissen. Den Zeugenaussagen derer, die spezifische Erfahrungen durchleben, wird viel Raum gewährt.

Die Lebendigkeit und die Selbstverständlichkeit der Erfahrungswelten jenseits der planen Alltäglichkeit transportiert das Buch auch durch die Anordnung der Darstellung, indem die praxis- und erfahrungsbezogenen Haupteile - "Praxis der transpersonalen Psychologie - Das Holotrope Atmen" II. Teil) und "Erfahrungsspektrum im holotropen Atmen" (III. Teil) - den theoretischen Teil "Konzepte der transpersonalen Psychologie" (II. Teil) umrahmen. Dieser Mittelteil ist getragen von dem Bestreben des Autors, neben Begriffsbestimmungen und der Ideengeschichte der Transpersonalen Psychologie den Begriff des Bewusstseins und den verwirrenden Gebrauch von "Ich", "Ego" und "Selbst" zu klären.

Dankenswerterweise hat der Autor es für nötig befunden, das breite Gebiet des Parapsychologischen und vor allem Spirituellen explizit und differenziert in das Aufklärungswerk zu integrieren. Sicherlich haben die persönlichen Erfahrungen des Autors im Siddha Yoga dazu beigetragen, so positiv und konstruktiv die spirituelle Dimension zur Geltung zu bringen. Die Aufgeschlossenheit des Autors gegenüber den verschiedenen Weisheitstraditionen findet breiten Niederschlag im Buch und beweist sich auch an anderer Stelle in der klugen Vorgehensweise, verschiedene Methoden bejahend zu benennen, sinnvoll ihre Möglichkeiten auszuloten und sich nicht von einem Methodenmonopol einer materialistischen Wissenschaft beherrschen zu lassen Nicht jeder Schlüssel passt in jedes Schloss. So ist eine gehobene, flexible Rationalität gefordert um zu erkennen, wo man etwas sinnvoll zum Einsatz bringt und wo nicht. An den verwendeten Formulierungen wie "Vertikale Transzendenz des Bewusstseins" im Zusammenhang mit der Auffassung von "der spirituellen Entwicklung als intrinsischen und konstitutionellen Teil des Menschseins" (246) und "der HorizontalenTranszendenz des Bewusstseins", wo das Spektrum der erweiterten Bewusstseinsformen vom Autor detailliert aufgefächert wird, erkennt der Leser die Situation einer Wegegabelung: Es gibt Wege, auf welchen die üblichen Normen nicht mehr greifen und die Fallstricke des kausalen Denkens sehr häufig ins Spiel kommen.

Die Aussage: "Der analytische Verstand, das akademische Wissen und die Gesetze der Logik allein sind überfordert, umfassende Lösungen anzubieten" (152) bedeutet beim Autor nicht, die Reise in das Rätsel des Bewusstseins skeptisch abzubrechen, sondern erst recht weiterzumachen. Der bekannte Wissenschaftsjournalist der Scientific American John Horgan hat bei seinem Betrachtungsrundgang durch die Welt der Psychologen, Psychiater und Neurologen (Der Menschliche Geist, Luchterhand 2000) große Zweifel ob der Lösung des Rätsels Bewusstsein geäußert. Mit Walchs Buch kann begonnen werden, diese Zweifel zu zerstreuen, denn der Autor hat spirituelle Dimensionen entdeckt und behandelt sie als ernsthafte Gesprächspartner, von denen man viel lernen kann. (pm)

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